
Heute hospitierte ich ein letztes Mal bei Herrn Debacher in der 8a, genauer, in einer ganz erstaunlichen 1. und 2. Stunde Chemieunterricht. Das Thema war Masse der Elemente, die chemisch richtigen Mischungsverhältnisse verschiedener Elemente miteinander und die Farben, mit denen die Kürzel der wichtigsten Elemente für den Schulunterricht formal geschrieben werden.
In diesem Sinne fand auch Einsatz der Laptops statt, nämlich, um die Schriftfarben eben dieser Elemente zu recherchieren.
Erstaunlich ist hierbei auch nicht das Thema des Unterrichtes gewesen, sondern das Verhalten der Schüler der 8a. Die Disziplin in dieser Klasse, die anfangs als eine eher schwierige und schwierig regierbare Klasse galt, hat sich tatsächlich wesentlich gebessert.
Die Unruhe, die mir in meinen vorherigen Hospitationen in und um Oktober so auffiel, die sich besonders in den letzten fünf Minuten vor dem Unterricht zeigte und bei allen erdenklichen Gelegenheiten während des Unterrichtes, war heute wesentlich schwächer vertreten und anstelle von Unterrichtsphasen, die sich gegen Lärmphasen zur Wehr setzen, herrschte beinahe durchgehend Ruhe.
Viele Schüler, die mir bereits aufgefallen waren, aber vor allem als Problemfälle, welche Potenzial hätten, jedoch nicht aufpassten und sich nicht beteiligten, ja sogar störten, waren ruhiger und konzentrierter geworden. Besonders N. ein Schüler, der mir zuvor durch "nettes", unbösartiges, aber lautes und permanent überdrehtes Gestöre auffiel und der so auch auf seine nächstsitzenden Mitschüler "abfärbte", tat sich heute durch ruhiges Betragen und zeitweise wirklich gute Beteiligung hervor. Was her Debacher auch nach dem Unterricht lobend erwähnte. Überhaupt fragten mehrere Schüler nach ihrem mündlichen Stand, was ja sehr positiv ist und interesse an der eigenen Leistung zeigt und das Bild des Lehrers als Autoritätsperson kennzeichnet.
Ich will nicht sagen, dass ich die Disziplinlosigkeit der 8a zuvor so dramatisch fand, aber der Unterschied fällt mir schon sehr auf und ich kann mir sehr gut vorstellen, wie viel besser und angenehmer diese Klasse jetzt zu unterrichten ist, besonders sicherlich auch für Frau T., bei der die Kinder zuvor besonders arbeitsunwillig waren.
Die Klasse war zuvor nicht als wirklich "schlimm", aber als nervtötend zu bezeichnen, die Arbeitsatmosphäre aber, die jetzt herrscht, ist erfreulich zu sehen.
Das Bestehen der Lehrer auf Ruhe, Ordnung und Mitarbeit über diesen langen Zeitraum und die Disziplinierungsmaßnahmen wie etwa Aufstehen zur Begrüßung des Lehrers scheinen tatsächlich für das Einkehren von Ruhe gesorgt haben, Herr Debacher führte die Verbesserung aber auch darauf zurück, dass die "positiven", sprich, die mitarbeitenden und fleißigen, Mädchen langsam selbstbewusster würden und mit ihrem Einfluss auf die anderen Schüler abfärben würde. Was sicherlich ohne die Atmosphäre, auf die die Lehrer bestanden nicht möglich gewesen wäre.
Ich muss sagen, ich bin beeindruckt, über die Entwicklung der 8a.
Nichtdestotrotz war auch ein Schatten im Schulalltag der 8a zu entdecken. Das Mädchen S., die mir auch schon in vorherigen Hospitationen als aggressiv aufgefallen war, die auch auf mich schon grundlos aggressiv reagiert hatte, sah heute sehr schlecht aus und weinte sogar während des Unterrichtes. Herr Debacher holte sie in der Pause und nach der Stunde zu sich und fragte sie wohl, ob sie gehen wolle oder was los wäre, was ich aber nicht hören konnte, da ich ihr sprichwörtlich in dieser Situation nicht zu Nahe treten wollte.
Später nach der Stunde fragte ich Herrn Debacher dann nach ihr, er erläuterte mir , dass ihr Verhalten in letzter Zeit sehr aggressiv und militant war, dass sie wohl häusliche Probleme habe und dass er nicht an sie herankomme, da sie nicht reden wolle und die von Anfang an in aggressivem Verhalten kondensierende Verschlossenheit, mit der sie sich gegen die Lehrer und teils auch gegen Mitschüler zu schützen versuchte weiter vorherrschte, wenn nicht stärker würde. Er sagte weiter, er erhoffe sich Aufklärung und Verbesserung von einem Termin mit einem Mitarbeiter eines psychologischen Betreuungsdienstes, welcher dem Mädchen als Disziplinarmaßnahme ob ihres Verhaltens auferlegt wurde.
Es war weiterhin, wie auch zuvor spürbar, dass Herr Debacher anscheinend an das Potenzial und die eigentlichen Fähigkeiten des Mädchens glaubt und hofft, zu ihr durchzudringen.
Hier entfaltet sich eine wirkliche langfristige Problembiografie mit diesem Mädchen und ebenso auch eine Hilfsbiografie.
Alles in allem war dies noch einmal wirklich aufschlussreich, die Entwicklung der Klasse zu sehen und wie sich zum einen die Atmosphäre bessert, nun aber einzelne Problemfälle aus der Gruppe heraustreten und behandelt werden müssen.
Ich weiß noch nicht, was ich von diesem Umstand für meine spätere Lehrtätigkeit ableiten soll, ich werde ihn nichtsdestotrotz im Gedächtnis behalten und weiter darüber nachdenken.
Der Umgang mit Einzelproblemen war ja auch im Assessmentcenter das Thema, dessen Behandlung ich noch vermisst hatte. Auf jeden Fall werde ich mir merken, dass man mit Beharrlichkeit und Ruhe weit kommen kann, im Bezug auf die Arbeitsatmosphäre und -haltung einer Klasse.

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